Motivationstanken auf dem Ruhrtalradweg – meine Story und was sie auch mit dir zu tun haben könnte

Achtung – heute wird es persönlich…um genauer zu sein: Es wird mein persönlichster – und bisher längster – Artikel. 

Denn heute erzähle ich dir von meiner Ruhrtalradwegtour – sie hat mir so viel Motivation gegeben, dass ich dir gerne etwas davon weitergeben möchte. „Motivation“ zu vermitteln ist ja sowieso mein Thema, wie willst du beruflich deinen Traumjob ohne Durchhaltevermögen/ Motivationmeistern? Genau, wahrscheinlich gar nicht. Denn auch dort fällst du in tiefe Täler und erlebst himmelhochjauchzende Momente. Daher haben beide Themen, der Ruhrtalradweg und die Karriere, Traumjobsuche, Bewerbung, Vorstellungsgespräch seeehr viel miteinander zu tun! Lies weiter und wenn du magst: Berichte mir, wann du ähnliche Situationen erlebt hast. Wann hast DU durchgehalten, obwohl du nie damit gerechnet hättest???

Die Vorbereitung

Ich weiß nicht mehr, wann es genau war. Irgendwann Anfang 2018 war sie da: Die Idee, mit Kind und Kegel in den Osterferien den kompletten Ruhrtalradweg (Winterberg bis Duisburg = 240 km plus Moers-Duisburg = 2×15 km) zu erradeln. Von zu Hause nach Duisburg, von dort aus mit dem Zug nach Winterberg. Etwas unerwartet fand meine Familie, meine Jungs sind 10 und 14 Jahre alt, die Idee gut. Es gab also kein zurück mehr! Von nun hatten wir einige Wochen Zeit, uns vorzubereiten. Ein Besuch auf der Fahrradmesse im März gehörte auch dazu. Zubehör besorgen, insbesondere Taschen. Und eine gute Radkarte – aber dazu später mehr…Die Jungs und mein Mann besorgten sich noch gute Räder (gebraucht, aber wie neu), was ich ja nicht brauchte, habe ich doch mein geliebtes Tourenrad. Von nun an wurde geschraubt, eingestellt, gefettet und geölt. Mutti, also ich…, war dann schließlich fürs Packen zuständig, Pflaster und Faszienball natürlich inklusive. Eigentlich ging das schnell, ich überlegte bei jedem Gramm, schließlich muss alles mit Muskelkraft bewegt werden! Zuständig war ich auch für die Reiseplanung. Die sich als ziemlich kompliziert herausstellte. Zimmer wurden gebucht (man riet mir dazu, da es auf dem Weg nicht so viele Unterkünfte gibt), die Zugfahrt wurde gebucht (Umsteigen in Dortmund, macht die Sache nicht einfacher) und die Frage: Was tun, wenn wir nicht zu viert in den Zug passen? Schließlich ist eine Reservierung in einem Regionalzug nicht möglich (und den haben wir ab Dortmund). Also ab ins Reisebüro und Karten dort kaufen. Dort ist schließlich ein Mensch, der mit mir spricht! In Gedanken teilten wir uns schon auf, dann würden wir ab Dortmund eben in zwei Touren starten, was auch hieß, dass jeder von uns eine eigene Fahrkarte benötigte – an was man bei einer Fahrradtour alles denken muss! An der Stelle war ich eigentlich schon geschafft – und wir waren noch nicht mal unterwegs! Als ich einen Tag vor Abfahrt auch noch feststellen musste, dass die Jugendherberge in Winterberg ziemlich weit weg ist von der Ruhrquelle und Fahrrad fahren bei 0° wohl kaum dort Spaß macht, habe ich noch schnell die Unterkunft umgebucht. So kommt wenigstens keine Langeweile auf

Etappe 0: Moers – Winterberg

Nun war der Tag gekommen und wir haben es geschafft am Ostersonntag um Punkt 8 Uhr loszuradeln. Wow, ging das schnell! Zumindest bis zur Rheinbrücke. Die ging mal direkt „bergauf“ und ich lag das erste Mal hinten. Mitleidig hielt meine Familie an und wollte schon Gepäck umpacken. Mein Stolz hinderte mich natürlich daran – nie im Leben! Um kurz vor 9 waren wir bereits am Bahnhof (schneller als der Routenplaner vorsah – und der rechnet bestimmt nicht mit Gepäck!). Eine geschlagene Stunde zu früh! Also erstmal zum Bäcker und frühstücken. Um kurz nach 10 saßen wir glücklich und noch nicht erschöpft tatsächlich im Zug nach Dortmund und hatten eine halbe Stunde Verschnaufzeit. Hier waren die Plätze noch gebucht…spannend wurde es, als wir in Dortmund umsteigen mussten. Treppen runter – kein Fahrstuhl, angeblich. Wieder Kaffe trinken und warten. Und: Von der Bahnhofsmission angesprochen werden!  Jetzt war es also soweit, dachte ich mir…aber nein, man bot uns nur freundlicherweise an, den Fahrstuhl aufzuschließen, damit wir mit den Rädern zum Gleis kommen. Wie nett! Den Schlüssel hätten alle Mitarbeiter – komisch, uns sagte man beim Aussteigen, kein Aufzug möglich! Wie auch immer: Unseren nächsten Zug nach Winterberg erreichten wir pünktlich und hatten sogar Platz für alle. Puh, 2 Stunden Pause! In Winterberg schickte uns der nette Taxifahrer leider in die falsche Richtung, falsch fahren können wir gut, was später noch des Öfteren vorkommen sollte. Irgendwann angekommen, den ersten Berg geschoben, glücklich und total stolz! Sind wir doch tatsächlich 18 km geradelt! Was für eine Leistung. Yeah. Am nächsten Tag konnte es nun richtig losgehen.

Im Zug nach Dortmund sah es so aus (nein, das rechte Rad gehörte nicht zu uns…):

1. Etappe: Winterberg – Olsberg

Gut gefrühstückt ging es am nän zur Ruhrquelle, da wo unser Weg eigentlich richtig startet. Irgendwie war alles noch auf Skifahren eingestellt, warum waren außer uns eigentlich keine anderen Radfahrer unterwegs? Lag vielleicht an der Jahreszeit und am Wetter – immer noch um die 0 Grad. Egal, auf gehts. Ruhrquelle suchen. Weg gefunden. Leider zu spät gemerkt, dass es der Wanderweg ist. Also Räder über Stock und Stein durch den Wald bergauf geschoben. An einer Strasse angekommen und festgestellt, es gibt auch einen angenehmen Radweg. Erste Krise. Dann Quelle gefunden und erstmal Pause gemacht. Nach 2 Stunden. Und 20 km vom Tagesziel entfernt. Und wen trafen wir dort? Ein Fahrradpärchen aus unserem Nachbardorf…auf dem Weg nach Hause. Wie wir. Und noch ein Pärchen, dass sich nach unseren günstigen Gepäcktasschen erkundigte. Sie seien auch (!) Langstreckenradler und haben teure, sehr unkomfortable Taschen. Man fahre jährlich ein paar Tausend Kilometer, erzählten sie uns. Hoppla, und die fragen uns nach unseren Taschen? VOR unseren ersten Etappe im ganzen Leben? Was für ein Ritterschlag!
Nach dem Foto an der Ruhrquelle ging es nun endlich weiter und wir radelten die ersten 20 km nach Olsberg. Von der Ruhr sahen wir erstmal nicht viel, Quelle musste reichen. Es ging rauf und sehr schnell wieder runter! Die Bremsen glühten, die Finger verbrannten sich an diesen.  Mittags bereits angekommen, Zimmer jedoch gar nicht fertig. Viel geschoben, also ich, die anderen nicht. Ich hatte ja mein tolles Tourenbike, das mag lieber geschoben als gefahren werden. Wieder Essen gegangen, schlafen, am nächsten Morgen gehts weiter. 

2. Etappe: Olsberg – Arnsberg

Meine Wenigkeit stets als Letzte im Felde. Aber natürlich nur, um alles im Blick zu haben! Wir fuhren häßliche Landstrassen entlang und ich fragte mich, wo denn die Romantik der Beschreibung sei. Leider hatten es meine Männer nich immer mit dem „nach-dem-Weg-fragen“. Man fuhr gerne auf mal einen kleinen Umweg, schadet doch nicht! Nein, mein nettes Rad macht das gerne mit! Und hier und da schieben entspannt auch und man kann die Natur – oder die Landstrasse – viel besser genießen! Haha…und ich dachte, nach dem ersten Tag sind die Berge wie weggeblasen, schließlich geht die Ruhr doch bergab und nicht bergauf. Ach ja, die Ruhr war immer noch nicht wirklich häufig zu sehen. In Arnsberg abends angekommen waren wir total platt. In einer Jugendherberge, mitten im Wald, auf einem Berg. Einen einsamen Radler hat es abends auch dorthin verschlagen. Ansonsten: Niemand, nur wir. Auch kein Personal. Man hinterließ uns freundlicherweise den Schlüssel und instruierte uns, wo wir wann abzuschließen haben. Und an die Nachtruhe erinnerte man uns noch. War ja auch bitternötig, bei so vielen Gästen! Schon urig schön, so (fast) alleine im Wald…Arnsberg soll auch sehr nett sein. Haben wir gelesen. Nicht gesehen. Von unserem Berg kamen wir doch nicht freiwillig mehr runter. Der Pizzaservice dafür rauf!

3. Etappe: Arnsberg – Schwerte

Endlich mehr von der Ruhr, juhu! Es sollte die längste Etappe sein, dachten wir zumindest zu diesem Zeitpunkt noch. Aber dazu später mehr. 56 km. Schöne Wege, meine gesuchte Romantik, leider ein bißchen Regen zum Schluss. Der war so schlimm allerdings gar nicht. Mein Großer bestand nun darauf, dass ich lerne mit seinem Rad zu fahren. Ok. Hatte ich mich vorher noch geweigert, knickte ich nun ein. Und dachte: Oh, was ist das? Wo ist denn hier der Motor? Mein lieber Mann, was macht das Material aus! Ich wollte ja gar nicht mehr runter, das waren ja Welten! Naja, wenn die Schwächste auch noch das schwächste Material hat, ist die Kombination vielleicht etwas schwierig…ich schwebte! Angekommen sind wir wieder in einer sehr speziellen Unterkunft: Diesmal in einem alten Pfarrhaus. 17. Jahrhundert. Herrlich! Selbstversorgung mit eigener Küche. So liebevoll hergerichtet von den Besitzern. Urgemütlich!

4. Etappe: Schwerte – Hattingen

Wie ich feststelle, hat fast jede Etappe etwas Einzigartiges: Die erste, die hügeligste, die längste…das war nun die Etappe, mit den schlechtesten Wetterbedingungen. Kalt, sehr kalt. Regen. Und vor allem: Sturm: Natürlich kam er uns entgegen und pustete auch noch netterweise den Regen in unser Gesicht. Ach, was ist Fahrrad fahren doch schön…Und das auf nur 46 km. Dafür brauchten wir wesentlich länger, als am Tag zuvor für 56 km. Naja, auch, weil wir mal wieder lieber ins Nirgends fuhren anstatt auf den Weg zu achten. Bis ich schrie „Ich kann nicht mehr! Ich will nicht mehr!“. Oben auf nem Berg, der noch viel steiler rauf ging. Nein, ich befand mich ab sofort im Streik! Nicht mit mir! Mein Sohn meinte es nett und sagte:“Aber Mama, wir sind nicht mehr zweistellig!“ Soll heißen, unter 10 km Restweg. Da hatte er zwar Recht, aber eine Stunde zuvor hatten wir nur noch 8,5 km und nun 9,6 km. Suche den Sinn…Es war die komplett (!) falsche Richtung. Ich kochte. Also den Berg wieder hinunter und erstmal gepflegt fragen. Und dann richtig fahren. Und tatsächlich irgendwann im Hostel ankommen. Völlig fertig. Fertiger geht kaum. Aber glücklich. Stimmungsschwankungen kamen inzwischen immer häufiger. Ich erlebte Höhen und Tiefen. Nicht viel dazwischen. Von unserer Unterkunft konnten wir schnell in die Hattinger Innenstadt. Essen. Und dann ab ins Stockbett. Ich wollte nur noch liegen.
 

5. Etappe: Hattingen – Moers

Endlich – der Wetterbericht verspricht Sonne und Wärme. Das tut nicht nur dem Körper gut, sondern auch der Seele. Wir starten gut erholt gegen 10 Uhr. Herrliche Romantik, direkt an der Ruhr entlang, Richtung Essen, Baldeneysee wunderschön! Die ersten Biergärten zeigten sich. Urlaubsgefühle! Einfach fahren und die Seele baumeln lassen. Alles läuft bestens. Bis Kettwig. Dort machten wir gegen Mittag Pause. Ganz gemütlich. Als mich meine Männer ansahen und beschlossen: Hey, läuft soooo super, das schaffen wir bis zu Hause (gedacht war die letzte Unterkunft in Mülheim). Wie? Zusätzliche 35 km? Wir hatten doch bis Mülheim schon 46! Reicht das denn nicht? Nein, meinte mein Jüngster. Nur wenn wir heute noch nach Hause fahren, könne er morgen zum Mountainbiketraining gehen. Klar, man muss natürlich Prioritäten setzen! Ok, ich willigte ein. Und ab jetzt war die 3. Etappe nicht mehr die längste gewesen…Aber nur unter mehreren Bedingung, dass wir Pause machen, wenn ich nicht mehr kann! Und wir an der Ruhrquelle in Duisburg ein Foto mit uns ALLEN machen. Und wir stets und ständig nach dem Weg fragen! Hat auch geklappt, bis zur Grenze Oberhausen/ Duisburg. Das, was wir am besten können, im Kreis fahren, haben wir hier mal wieder unter Beweis gestellt! Verlustzeit: Sicherlich eine Stunde. Und das an häßlichen Strassen entlang. Ich wollte nur noch weg und nach Hause! Irgendwann, wir kamen in Duisburg an, lasen wir: Ruhrmündung 1,8 km. Wie genial war das denn? Natürlich ergab sich eine Frage: Müssen wir da wirklich hin? Immerhin ist es die (!) falsche Richtung, demnach müssen wir also auch 1,8 km wieder zurück fahren.
Nein, im Leben könnte ich mich im Spiegel nicht mehr ansehen, würde ich kneifen. Kneifen ist für mich noch nie eine Option gewesen! Und wenn ich dorthin krieche. Aber dieses eine Foto musste unbedingt noch her! Und zwar mit uns allen. Das war meine Bedingung, als ich zustimmte, durchzufahren. Und das tat manchem von meinen Jungs schon weh…aber da mussten wir nun durch. Ein orangenes Etwas, auch genannt Rheinorange, empfing uns. Und die Ruhr, wie sie in den Rhein mündet. Unbeschreiblich. Hatten wir es tatsächlich geschafft? Wir waren nur glücklich und machten schnell unser Foto. Naja, ganz geschafft noch nicht. Wir brauchten ja noch 15 km bis nach aus. Ha, was sind schon 15 km! Mit links!!! Um 19 Uhr kamen wir zu Hause an. Nach 9 Stunden und 87 km. Insgesamt kamen wir auf fast 300 km. Ich glaube, ich habe Sternchen gesehen. Wusste aber, wir haben hier etwas ganz besonderes geschafft. Als Familie mit allen Schwierigkeiten durchzuhalten.
Wow: Geschafft!!!
 

Fazit

Man sagte uns vorher, dies sei ein „anderer“ Urlaub. Ja, das wussten wir. Aber was meinte man damit? Ich kann  es nicht in Worte fassen. Aber es war solch eine wertvolle Erfahrung. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich gesagt und gedacht habe, das schaffe ich nicht mehr. Und was war? Ich habe es immer geschafft. Und was macht das mit mir? Es gibt mir Kraft für viele weitere Dinge im Leben, die auch geschafft werden wollen. Ich habe mich tatsächlich schon dabei ertappt, wie ich nach der Rückkehr dachte „ne, das schaffst du nicht“. Und direkt hinterher der Gedanke kam: Na klar, du hast den Ruhrtalradweg geschafft, also schaffst du das doch auch. 
 
Nun ist der Bericht tatsächlich viel länger geworden, als geplant. Naja, ich war tatsächlich im Schreibrausch und alles zog nochmal an mir vorbei. Es ist wirklich so, dass es mir viel gibt, bis an meine Grenzen gegangen zu sein. Kennst du das auch? Hast du auch schon mal deine Grenzen erreicht? Es gibt dir Kraft, auch im Job, im Bewerbungsprozess im Vorstellungsgespräch…ganz ehrlich: Als ich am letzten Tag vom Rad zu Hause stieg, versprach ich mir, das Rad eine Woche nicht zu benutzen und nie mehr soooo eine Tour zu machen. Am nächsten Tag hatte ich die nächste Route im Kopf und Fahrrad bin ich ein paar Tage später auch schon wieder gefahren. Nur eines werde ich vor der nächsten  Tour machen: Vorher mehr trainieren und mir ein passendes Rad besorgen!
 
Ich grüße dich ganz herzlich und wünsche dir, dass du ähnliche Momente erlebst ;-))
Deine Christina
Christina Thiel Karriereberatung

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für den tollen Bericht. Privat sind wir sicherlich alle schon einmal an unsere Grenzen geraten und vielleicht sogar darüber hinaus gegangen, ob wir uns nun bewusst in eine solche Situation gebracht haben, oder nicht. Warum sollte uns das also nicht auch im Job oder beim Jobwechsel gelingen. Es heißt ja schließlich auch „der Mensch wächst mit seinen Aufgaben“.

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