Assessment Center: Infos, Übungen, Hintergründe

Christina Thiel Idee

Vorab

Hast du schon mal an einem Assessment Center (AC) teilgenommen? Wie hast du dich dabei gefühlt? Wenn du noch nicht zu einem Assessment Center (AC) eingeladen wurdest: Hast du von Freunden, Kollegen… schon darüber etwas mitbekommen? Wenn ja, dann gab es sicher Unbehagen, ein flaues Gefühl in der Magengegend, Unsicherheit.

Etwa so: 😨🤔😬 ???

Das kann ich gut nachvollziehen! Ist ein Vorstellungsgespräch schon eine besondere Prüfung, scheint es im AC nicht besser zu sein. Im Gegenteil: Alleine dadurch, dass ein AC viel länger als ein Vorstellungsgespräch dauert, ist es auf jeden Fall nervenaufreibender. Mit diesem Artikel möchte ich gerne ein bißchen Ruhe in deine Gedanken und Sorgen bringen. Dich sortieren, dich vorbereiten damit du möglichst entspannt und gut vorbereitet in dieses ganz spezielle Auswahlverfahren gehen kannst.

Definition

Gene bemühe ich mal wieder Wikipedia:

„Ein Assessment-Center (AC) (engl. assessment „Beurteilung“) ist eine Methode zur Einschätzung von Personen vor allem in den Bereichen der Personalauswahl und Personalentwicklung. Neben Ergebnissen von Arbeitssimulationen oder anderen Übungen (Rollenspiele, Gruppendiskussionen, Konzeptionsübungen u. a.) und deren Bewertung durch geschulte Beobachter („Assessoren“) können Leistungstests oder Persönlichkeitstests zur Einschätzung von Personen verwendet werden.[1] „

Mit anderen Worten:

Ein Assessment Center ist ein sehr spezielles Vorstellungsgespräch. Und nicht nur das: Es ist gar nicht NUR ein Gespräch, sondern vielmehr ein ganzer Auswahlprozess, in dem das persönliche Gespräch natürlich enthalten ist, aber ergänzt durch verschiedene weitere Aufgaben und Elemente. Während eines AC bist du nicht der einzige Bewerber. An einem AC nehmen stets mehrere Bewerber gleichzeitig teil. Nicht einfach, deiner direkten Konkurrenz gegenüber zu sitzen…

Für wen ist ein Assessment Center gedacht und warum?

Assessment Center werden am häufigsten für Führungskräfte, Hochschulabsolventen und auch interne Mitarbeiter eingesetzt, die sich auf eine Stelle bewerben. Ein AC wird entweder von internen Mitarbeitern oder von externen Beratern durchgeführt. Manchmal dauert es „nur“ einen Tag, manchmal sogar zwei oder sogar drei Tage. Es wird angewendet, weil man den Bewerber in unterschiedlichen Situationen wahrnehmen möchte und sich dadurch einen besseren Gesamteindruck verschaffen kann. Und genau hier setzt häufig der Stressauslöser an: Du denkst dir jetzt vielleicht „Hilfe, die nehmen mich total auseinander! Ich muss alles geben, damit ich bestens rüberkomme!“ Mmmhhh..das kannst du so sehen, ich finde aber, es ist nicht sehr förderlich. Wäre folgende Einstellung nicht hilfreicher? DU hast AUCH die Chance, das Unternehmen besser kennen zu lernen, dich in den (hoffentlich) firmeneigenen Räumen umzusehen und einen Eindruck zu bekommen, ob DU ins Unternehmen passt. Wir schreiben das Jahr 2018 – überspitzt formuliert: Heute muss sich ein Unternehmen auch um den Bewerber bemühen. Der Fachkräftemangel lässt grüßen. Denke mal drüber nach…

Ablauf eines Assessment Centers

Der Ablauf eines Assessment Centers ist jedes Mal recht ähnlich. Gestartet wird mit einer Selbstpräsentation. Hier geht es natürlich erstmal um dich, deinen Werdegang, deine Stärken, deine Motivation. Eine Selbstpräsentation kennst du vielleicht schon aus anderen Vorstellungsgesprächen, sie ist normalerweise Bestandteil jedes Bewerbungsverfahrens. Weil die Selbstpräsentation so wichtig ist, habe ich dazu einen eigenen Artikel geschrieben, du findest ihn HIER. Anschließend geht es weiter mit verschiedenen Übungen, sie unten. Zwischendurch hast du natürlich Pause, gemeinsames Mittagessen usw. Aber Achtung: Pausen dürfte ich eigentlich gar nicht sagen, denn Pausen sind es nicht wirklich. Auch hier stehst du unter Beobachtung. Wie ist dein Small Talk Verhalten? Wie sicher kommst du während des Essens rüber? Kennst du die Tisch- und Benimmregeln? Nach der Selbstpräsentation und einer möglichen „Pause“ geht es nun weiter mit den nächsten Übungen. Diskussionen, Präsentationen…

Aufgaben und Übungen im Assessment Center

Natürlich ist jedes AC neu und anders. Dennoch gibt es typische Elemente und Übungen, die sehr häufig verwendet werden und daher auch gut vorbereitet werden können. Denke immer daran, dass in jeder Übung Beobachter anwesend sind, meist mehrere, die dich und die anderen Bewerber unter ganz gewissen Gesichtspunkten beobachten und sich Notizen anfertigen. Von einer Übung habe ich dir ja schon berichtet, der Selbstpräsentation. Aber es gibt noch mehr: Gruppendiskussion, Verkaufsgespräch, Rollenspiel, Präsentation, Postkorb-Übung…das sind zwar nicht alle, aber doch die wichtigsten Elemente eines Assessment Centers. Ich stelle sie dir gerne näher vor.

Gruppendiskussion:

Hier steht ein konkretes Thema im Mittelpunkt. Das kann z.B. ein (aktuelles) wirtschaftliches oder ein politisches Thema sein. Halte dich also in den Wochen und Tagen vor einem AC auf dem Laufenden und lies Zeitung, siehe Nachrichten etc. Möglich auch, dass du dich mit deinen Mitstreitern  erstmal einigen musst, welches Thema ihr diskutieren möchtet. Wichtig ist es, dass du dich aktiv in die Gruppe einbringst, Stellung beziehst, deine Körpersprache richtig einsetzt und möglichst überzeugend deinen Standpunkt vertrittst. Mögliche Fehler: Du bist zu passiv und beteiligst dich zu wenig. Du bist zu aktiv und lässt keinen anderen zu Wort kommen. Du hörst den anderen zu wenig zu und kommunizierst zu wenig.

Rollenspiel:

Beim Rollenspiel spielst du nach genauer Vorgabe eine dir zugewiesene Position nach. Das kann ein Kundengespräch aber genauso ein Konfliktgespräch mit einem Kollegen oder Vorgesetzten sein. Meist hast du eine (zu kurze) Vorbereitungszeit, in der du dich auf den dir zugewiesenen Fall einarbeiten kannst. Wichtig sind im Rollenspiel: Dein Ausdrucksvermögen, deine non-verbale Kommunikation und deine Überzeugungskraft. Fehler, die du machen kannst: Du überzeugst zu wenig, erkennst nicht genau das Problem, findest keine Lösung.

Präsentation:

Die Präsentation ist nichts anderes als ein Vortrag. Auch hier erhältst du im Vorfeld ein Thema und hast eine vorgegebene Zeitdauer, in der du den Vortrag zusammenstellen kannst. Jede Präsentation steht und fällt mit der Persönlichkeit, die vorträgt. Ganz wichtig ist also, dass du weißt, wie du beim Publikum Interesse weckst, es neugierig machst und bei Laune hältst. Das schaffst du nur durch einen lebendigen roten Faden, durch einen geschickten Spannungsbogen und dadurch, das du dein Publikum „mitnimmst“. Binde es in den Vortrag interaktiv ein (stelle z.B. Fragen), mache mal einen Witz…Mögliche Fehler: Du verbreitest Langeweile und dein Publikum hört dir nicht mehr richtig zu.

Postkorb-Übung:

Der Klassiker im AC! In dieser Übung geht es darum, eine Situation nachzustellen, die dich unter Stress setzt. Die Aufgabe könnte sein, dass du aus dem Urlaub erstmals wieder ins Büro kommst und der Schreibtisch und das Emailfach voll mit wichtigen und unwichtigen Dingen gefüllt sind. Zeit hast du keine, denn das nächste Meeting in 30 Minuten steht schon an…Was tust du? Du musst dich entscheiden, welche Aufgaben dringend sind und sofort bearbeitet werden müssen. Welche können hingegen warten? Fehler, die du machen kannst: Nicht oder zu wenig unterscheiden zwischen „Muss sofort bearbeitet werden“  und „kann warten“. Zeitmanagement ist hier gefragt!

 

Worum geht es „eigentlich“ im Assessment Center?

 

Wie es auch im „einfachen“ Vorstellungsgespräch um die „Frage hinter der Frage“ geht, ist es im AC ähnlich. Natürlich geht es darum zu sehen,

➡ wie stressresistent bist?

➡ Wie gehst du mit Druck um?

➡ Wie kompromissbereit und überzeugend trittst du auf?

➡ Wie schnell kannst du dich in eine neue Aufgabe einarbeiten?

➡ Wie ist deine Körpersprache?

Es geht also über deine eigentlichen Fachkenntnisse weit hinaus. Es geht nicht darum, den Beobachter zu überzeugen von deiner Meinung. Es geht darum ihn davon zu überzeugen, wie überzeugt du dich verkaufst. Denn wie in jedem anderen Vorstellungsgespräch geht es zum großen Teil um deine Persönlichkeit und deine Motivation. Ja, und so hart es sich anhört: Ein Vorstellungsgespräch, ob mit oder ohne Assessment Center, ist und bleibt ein Verkaufsgespräch. Du hast das Ziel, dich zu verkaufen (= Produkt). Und der mögliche Käufer soll überzeugt werden, dass es ihm mit diesem Produkt besser geht. Das alleine ist ja eigentlich schon Herausforderung genug…

Wenn du verwandte Artikel von mir zum Thema AC lesen möchtest:

Selbstpräsentation

Small Talk

non-verbale Kommunikation

Zeitmanagement

 

Hast du Fragen, Anregungen,  Erfahrungsberichte? Dann schreibe in das Kommentarfeld und lasse anderer Leser an deinen Gedanken teilhaben!

 

Ich grüße dich ganz herzlich

Christina

 

Christina Thiel Karriereberatung

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ein sehr interessante Thema. Ich selbst hatte noch nie das „Vergnügen“ an einem AC teilzunehme, hatte mich bis dato auch immer gefragt, was darin wohl so abgeht. Auf Einiges kann man sich sicherlich vorbereiten – entscheidend ist die Tagesform und wie überzeugt man von der Stelle ist und von sich selbst. Wenn man weiß, dass man etwas kann, kommt man auch selbstsicher rüber.

    • Liebe Petra,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ja die Tagesform spielt natürlich auch eine sehr große Rolle. Am Anfang natürlich noch viel mehr, denn je mehr du in Übung bist, umso sicherer wird man.

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